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Fastenmarsch

Fastenmarsch (Fastenwandern)

Soweit bekannt, fand der bisher einzige 1000-Kilometer-Fastenmarsch in einem Zeitraum von drei Wochen  im Jahre 1990 statt. Die Strecke führte von Lübeck nach Überlingen am Bodensee. Das Besondere war ein während dieser Zeit durchgeführtes Fasten. Im wesentlichen wurde ein sogenanntes Tee- Saft-Fasten d.h. eine „flüssige" Nahrungszufuhr in Form von Kräuter-Tees mit Honig, Gemüsebrühe und Fruchtsäften zugeführt. Angestrebt wurden ca. 300 Kcal. pro Tag, wobei diese Menge wahrscheinlich bei einigen Teilnehmern zeitweise durch das Trinken von Fruchtsäften (was erlaubt war) überschritten wurde. 

Eine streng wissenschaftliche Auswertung fand wegen dieses Umstandes nicht statt. Dennoch konnte aus den erhobenen Daten (Gewichtsabnahme, Laborparameter, Körperkompartimentbestimmung d.h. Messung von Fett und fettfreier Körpermasse mit der bioelektrischer Impedanzanalyse) von einem sogenannten kohlehydratsubstitiertem Fasten, d.h. einer niedrigkalorischen Ernährung ausgegangen werden. 

Im Mittelpunkt des Interesses stand die Frage, ob es möglich ist eine Gehstrecke, z. T. in hügeligem Gelände, von täglich ca. 50 km ohne substantiellen Schaden insbesondere im Bereich der Muskulatur zu überstehen. Subjektiv ging es den Teilnehmern des Fastenmarsches (der erste über die Distanz von 1000 km) erstaunlich gut.  

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Stand 14.04.2007 webmaster
Dr. med Peter Kienzle, Facharzt für Allgemeinmedizin - Akupunktur, Homöopathie, Naturheilverfahren, Sportmedizin, Am Tannenhof 2, D-78464 Konstanz, Tel. +49 (0)7531 56789, Fax: +49 (0)7531 958813. www.drkienzle.de

Zu Störungen und „Ausfällen" kam es hauptsächlich wegen orthopädischer Probleme (Blasen an den Füßen!) insbesondere in der ersten Woche. 

Wesentliche Herz-Kreis-Lauf-Probleme oder wie auch immer geartete „Schwäche-Anfälle" kamen so gut wie nicht vor. Aus den vorliegenden Messungen (es wurden, wie gesagt, umfangreiche Labordaten vor und während des Marsches erhoben, eine Person wurde auch mehrfach nach dem Marsch untersucht) konnte nicht von einem starken Abbau der Muskulatur unter dem Fasten und unter dem zusätzlichen energieverbrauchenden Marschieren ausgegangen werden.

Aus einer früheren an fastenden Frauen durchgeführten Untersuchung war die These aufgestellt worden, dass unter gleichzeitiger körperlicher Belastung während des Fasten die zwangsläufige Umwandlung von Muskeleiweiß in Kohlenhydrate (für die Versorgung des Gehirnes mit Glucose unabdingbar) durch die sogenannte Gluconeogenese, der Muskelabbau des Fastenden weniger schnell voranschreitet wie beim körperlich nicht belasteten Menschen. Beim durchgeführten Fastenmarsch wurde diese These sowohl vom subjektiven Empfinden als auch durch die erhobenen Daten eher unterstützt.

Für das praktische Vorgehen für Menschen, die ein Fasten - dabei müssen auch schon niedrigkalorische Diäten im Sinne eines sog. „fdH.", d.h. bereits Diäten unter 1200 kcal., berücksichtigt werden - durchführen wollen ergeben die aus dem Fastenmarsch unter Extrembedingungen durchgeführten Erfahrungen, dass ein ärztlich überwachtes Fasten eines gesunden Menschen insbesondere in Bezug auf die Herz-Kreislauf-Situation weitgehend ungefährlich ist und eine körperliche Belastung sogar erwünscht ist. Diese Belastung muß sich jedoch ein dem individuellen augenblicklichen Trainingszustand orientieren. Um einem übermäßigen Eiweißabbau d.h. vor allem einem Abbau der Muskulatur wirkungsvoll entgegenzutreten, ist deshalb notwendig bereits vor dem Fastenbeginn mit einem Muskelaufbau-Training zu beginnen. Nur dadurch kann der gefürchtete Jo-Jo-Effekt (vor allem bei kleinen übergewichtigen Frauen!) vermieden werden. Eine Erklärung für diesen von Menschen, welche wegen eines Übergewichtes fasteten, immer wieder beobachteten Vorganges liegt in der oben geschilderten Tatsache des unumgänglichen Muskelabbaus insbesondere in der ersten Fastenwoche. Der Umstand, dass dies ein völlig natürlicher Vorgang zur Bereitstellung von Zucker für das Gehirn darstellt (ein Überleben im Fasten wäre sonst nicht möglich) ändert nichts an der Tatsache, dass bei adipösen oft körperlich wenig aktiven Menschen durch den Muskelabbau sowohl eine weitere körperliche Tätigkeit erschwert wird als auch der Ruhe-Umsatz mit einem niedrigeren Basis-Energieverbrauch für die Zeit nach dem Fasten zurückgeht. Gewarnt werden muß deswegen auch vor dem Kurzzeitfasten (5 – 7 Tage) ohne entsprechendes Bewegungsprogramm.